Hamburgs Wilder Osten - Stadtteil-Initiative für mehr Lebensqualität in Rothenburgsort
Oktober 2009/Juli 2010
Positionspapier zum Neubau des Rothenburgsorter Marktplatz
Mehr als zwölf Jahre sind vergangen, seit die Neugestaltung des Rothenburgsorter Marktplatzes zum Schlüsselprojekt der Stadtteilentwicklung in Rothenburgsort ausgerufen wurde. Während der Bau nun vorangeht stellen wir fest: Dass etwas lange währt, bedeutet noch lange nicht, dass es gut wird.
Bezirk und Stadt agieren seit einigen Jahren in Sachen Marktplatz nur noch nach der Maxime: „Hauptsache es passiert endlich irgendwas, ganz egal was.“ Die hochfliegenden Ziele der Stadtteilentwicklung aus den Jahren 1997 bis 2006 sind vergessen.
Für den Neubau des Marktplatzes zahlt der Stadtteil einen hohen Preis.
1.) Privatisierung des öffentlichen Raums
Die zentrale Fläche des Rothenburgsorter Marktplatzes wurde von der Stadt an den Investor verkauft. Bezirk und Finanzbehörde haben sich hier mit irritierender Begeisterung privaten finanziellen Interessen unterworfen. Für den Stadtteil bedeutet das die Privatisierung eines zentralen Stücks seines öffentlichen Raums. Der Marktplatz diente bisher als sozialer, kultureller und politische Treffpunkt, sein Verkauf beendet diese Funktion als öffentliches Zentrum des Stadtteils.
2.) Benachteiligung des „Chaplin“
Der einzig verbliebene alteingesessene Grundeigentümer, der Inhaber und Betreiber des traditionsreichen Restaurants „Chaplin“, wird durch den Bebauungsplan benachteiligt. Während alle Grundstücke im Besitz der AVW für die Bebauung mit fünf und neun Geschossen ausgewiesen sind, darf er nicht mehr als zwei Geschosse errichten – eine Diskriminierung durch das Bezirksamt, für die es keinen rationalen Grund gibt...
3.) einfallslose Architektur
Städtebauliche Qualität ist in Rothenburgsort offenbar nicht gefragt: Bei dem Projekt der AVW handelt es sich um eine reine Investorenplanung, Architektur und Konzept sind einfallsund gesichtslos und nur auf maximale Raumnutzung und Kostenoptimierung ausgerichtet. Der Bezirk erstellte dazu den passenden Bebauungsplan und erteilte dem Investor eine auffallend lange Liste von baurechtlichen Befreiungen.
4.) Kapitulation der Stadtteilentwicklung
Der Bezirk hat alle Ambitionen der Stadtteilentwicklung im Zusammenhang mit dem Marktplatz aufgegeben. Von einem ursprünglich angekündigten direkten Weg vom Markt zur Elbe ist nichts mehr zu hören. Und die seit 1997 versprochene Gestaltung einer „Marktachse“ als Spielplatz und Grünfläche liegt weiterhin auf Eis. Statt dessen wird die westliche Hälfte dieses Bereichs dem neuen Einkaufszentrum für Parkplätze zur Verfügung gestellt.
5.) Wochenmarkt bedroht
Der Wochenmarkt wurde schon Anfang Januar 2009 durch das Bezirksamt – und gegen die Proteste der Händler und Kunden – vom Marktplatz an einen ungünstigen Ort in die Stresowstraße verlegt. Ursprünglich hatte es geheißen, der Markt könne bis zum Ende des Abrisses am angestammten Platz bleiben. Damit ist er mehr als ein Jahr lang unnötigerweise an einem Standort, die schwere Umsatzeinbußen mit sich bringt. Der Umbau des Marktplatzes und die Verlagerung bedrohen die Existenz des Wochenmarktes.